10 Oct 2021

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Harald "LaF0rge" Welte: First steps towards an ITU-T V5.1 / V5.2 implementation

As some of you may know, I've been starting to collect "vintage" telecommunications equipment starting from analog modems to ISDN adapters, but also PBXs and even SDH equipment. The goal is to keep this equipment (and related software) alive for demonstration and practical exploration.

Some [incomplete] information can be found at https://osmocom.org/projects/retro-bbs/wiki/

Working with PBXs to simulate the PSTN (ISDN/POTS) network is fine to some extent, but it's of course not the real deal. You only get S0-buses and no actual Uk0 like actual ISDN lines of the late 80ies and 90ies. You have problems with modems not liking the PBX dialtone, etc.

Hence, I've always wanted to get my hand on some more real-world central-office telephone network equipment, and I finally have a source for so-called V5.1/V5.2 access multiplexers. Those are like remote extension boxes for the central office switch (like EWSD or System 12). They aggregate/multiplex a number of analog or ISDN BRI subscriber lines into E1 lines, while not implementing any of the actual call control or ISDN signalling logic. All of that is provided by the actual telephone switch/exchange.

So in order to integrate such access multiplexers in my retronetworking setup, I will have to implement the LE (local exchange) side of the V5.1 and/or V5.2 protocols, as specified in ITU-T G.964 and G.965.

In the limited spare time I have next to my dayjob and various FOSS projects, progress will likely be slow. Nonetheless I started with an implementation now, and I already had a lot of fun learning about more details of those interfaces and their related protocols.

One of the unresolved questions is to what kind of software I would want to integrate once the V5.x part is resolved.

  • lcr would probably be the most ISDN-native approach, but it is mostly unused and quite EOL.

  • Asterisk or FreeSWITCH would of course be obvious candidates, but they are all relatively alien to ISDN, and hence not very transparent once you start to do anything but voice calls (e.g. dialup ISDN data calls in various forms).

  • yate is another potential candidate. It already supports classic SS7 including ISUP, so it would be a good candidate to build an actual ISDN exchange with V5.2 access multiplexers on the customer-facing side (Q.921+Q.931 on it) and SS7/ISUP towards other exchanges.

For now I think yate would be the most promising approach. Time will tell.

The final goal would then be to have a setup [e.g. at a future CCC congress] where we would have SDH add/drop multiplexers in several halls, and V5.x access multiplexers attached to that, connecting analog and ISDN BRI lines from individual participants to a software-defined central exchange. Ideally actually multiple exchanges, so we can show the signaling on the V5.x side, the Q.921/Q.931 side and the SS7/ISUP between the exchanges.

Given that the next CCC congress is not before December 2022, there is a chance to actually implement this before then ;)

10 Oct 2021 10:00pm GMT

19 Jul 2021

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Harald "LaF0rge" Welte: Notfallwarnung im Mobilfunknetz + Cell Broadcast (Teil 2)

[excuse this German-language post, this is targeted at the current German public discourse]

Ein paar Ergänzungen zu meinem blog-post gestern.

Ich benutzt den generischen Begriff PWS statt SMSCB, weil SMSCB strikt genommen nur im 2G-System existiert, und nur ein Layer ist, der dort für Notfallalarmierung verwendet wird.

Zu Notfallwarn-Apps

Natürlich sind spezielle, nationale Deutsche Katastrophenschutz-Apps auch nützlich! Aber diese sollten allenfalls zusätzlich angeboten werden, nachdem man erstmal die grundlegende Alarmierung konform der relevanten internationalen (und auch EU-)Standards via Cell Broadcast / PWS realisiert. Man sagt ja auch nicht: Nachrichtensendungen braucht man im Radio nicht mehr, weil man die bereits im Fernsehen hat. Man will auf allen verfügbaren Kanälen senden, und zunächst jene mit möglichst universeller Reichweite und klaren technischen Vorteilen benutzen, bevor man dann zusätzlich auch auf anderen Kanälen alarmiert.

Wie sieht PWS für mich als Anwender aus

Hier scheint es größere Missverständnisse zu geben, wie das auf dem Telefon letztlich aussieht. Ist ja auch verständlich, hierzulande sieht man das nie, ausser man ist zufällig in einem Labor/Basttel-Netz z.B. auf einer CCC-Veranstaltung unterwegs, in der das Osmocom-Projekt mal solche Nachrichten versendet hat.

Die PWS (ETWS, CMAS, WEA, KPAS, EU-ALERT, ...) nachrichten werden vom Telefon empfangen, und dann je nach Konfiguration und Priorität behandelt. Für die USA ist im WEA vorgeschrieben, dass Alarme einer bestimmten Prioritatsklasse (z.B. der Presidential Level Alert) immer zwangsweise zur Anzeige gebracht werden und immer mit einem lauten sirenenartigen Alarmton einhergehen. Es ist sogar explizit verboten, dass der Anwender diese Alarme irgendwo ausstellen, stumm schalten o.ä. kann. Insofern spielt es keine Rolle, ob das Telefon gerade Lautlos gestellt ist, oder es nicht gerade unmittelbar bei mir ist.

Bei manchen Geräten werden die Warnungen sogar mittels einer text2speech-Engine laut über den Lautsprecher vorgelesen, nachdem der Alarmton erscheint. Ob das eine regulatorische Anforderung eines der nationalen System ist, weiss ich nicht - ich habe es jedenfalls bereits in manchen Fällen gesehen, als ich mittels Osmocom-Software solche Alarme in privaten Labornetzen versandt habe.

Noch ein paar technische Details

  • PWS-Nachrichten werden auch dann noch ausgestrahlt, wenn die Zelle ihre Netzanbindung verloren hat. Wenn also z.B. das Glasfaserkabel zum Kernnetz bereits weg ist, aber noch Strom da ist, werden bereits vorher vom CBC (Cell Broadcast Centre) an die Mobilfunkzelle übermittelte Warnungen entsprechend ihrer Gültigkeitsdauer weiter autonom von der Zelle ausgesendet Das ist wieder ein inhärenter technischer Vorteil, der niemals mit einer App erreichbar ist, weil diese erfordert dass das komplette Mobilfunknetz mit allen internen Verbindungen und dem Kernnetz sowie die Internetverbindung vom Netzbetreiber zum Server des App-Anbieters durchgehend funktioniert.

  • PWS-Nachrichten können zumindest technisch auch von Telefonen empfangen werden, die garnicht im Netz eingebucht sind, oder die keine SIM eingelegt haben. Ob dies in den Standards gefordert wird, und/oder ob dies die jeweilige Telefonsoftware das so umsetzt, weiss ich nicht und müsste man prüfen. Technisch liegt es nahe, ähnlich wie das Absetzen von Notrufen, das ja auch technisch in diesen Fällen möglich ist.

Zu den Kosten

Wenn - wie in der idealen Welt - das Vorhalten von Notfallalarmierung eine Vorgabe bereits zum Zeitpunkt der Lizenzvergabe für Funkfrequenzen gewesen wäre, wäre das alles einfach ganz lautlos von Anfang an immer unterstützt gewesen. Keiner hätte extra Geld investieren müssen, weil diese minimale technische Vorgabe dann ja bereits Teil der Ausschreibungen der Betreiber für den Einkauf ihres Equipments gewesen wäre. Zudem hatten wir ja bereits in der Vergangenheit Cell Brodacast in allen drei Deutschen Netzen, d.h. die Technik war mal [aus ganz andern Gründen] vorhanden aber wurde irgendwann weggespart.

Das jetzt nachträglich einzuführen heisst natürlich, dass es niemand eingeplant hat, und dass jeder beteiligte am Markt sich das vergolden lassen will. Die Hersteller freuen sich in etwa wie "Oh, Ihr wollt jetzt mehr als ihr damals beim Einkauf spezifiziert habt? Schön, dann schreiben wir mal ein Angebot".

Technisch ist das alles ein Klacks. Die komplette Entwicklung aller Bestandteile für PWS in 2G/3G/4G/5G würde ich auf einen niedrigen einmaligen sechsstelligen Betrag schätzen. Und das ist die einmalige Investition in der Entwicklung, welche dann über alle Geräte/Länder/Netze umgebrochen wird. Bei den Milliarden, die in Entwicklung und Anschaffung von Mobilfunktechnik investiert wird, ist das ein Witz.

Die Geräte wie Basisstationen aller relevanten Hersteller unterstützen natürlich von Haus aus PWS. Die bauen für Deutschland ja nicht andere Geräte, als jene, die in UK, NL, RO, US, ... verbaut werden. Der Markt ist international, die gleiche Technik steht überall.

Weil man jetzt zu spät ist, wird das natürlich von allen Seiten ausgenutzt. Jeder Basisstationshersteller wird die Hand aufhalten und sagen, das kostet jetzt pro Zelle X EUR im Jahr zusätzliche Lizenzgebühren. Und die Anbieter der zentralen Komponente CBC werden auch branchenüblich die Hand aufhalten, mit satten jährlichen Lizenzgebühren. Und die Consultants werden auch alle die Hand aufhalten, weil es gibt wieder etwas zu Integrieren, zu testen, ... Das CBC ist keine komplexe Technik. Wenn man das einmalig als Open Source entwickeln lässt, und in allen Netzen einsetzt, bekommt man es quasi zum Nulltarif. Aber das würde ja Voraussetzen, dass man sich wirklich mit der Technik befasst, versteht um welch simple Software es hier geht, und dass man mal andere Wege in der Beschaffung geht, als nur mal eben bei seinen existierenden 3 Lieferanten anzurufen, die sich dann eine goldene Nase verdienen wollen.

In der öffentlichen Diskussion wird von 20-40 Millionen EUR gesprochen. Das sind überzogene Forderungen der Marktteilnehmer, nichts sonst. Aber selbst wenn man der Meinung ist, dass man lieber das Geld zum Fenster hinauswerfen will, statt Open Source Alternativen zu [ver]suchen, dann ist auch diese Größenordnung etwas, dass im Vergleich zu den sonstigen Anschaffungs- und Betriebskosten eines Mobilfunknetzes verschwindend gering ist. Ganz zu schweigen von den Folgekosten im Bereich Bergung/Rettung, Personenschäden, etc. die sich dadurch mittelfristig bei Katastrophen einsparen lassen.

Oder anders betrachtet: Wenn sogar das wirtschaftlich viel schwächere Rumänien sich sowas leisten kann, dann wird es wohl auch die Bundesrepublik Deutschland stemmen können.

19 Jul 2021 10:00pm GMT

18 Jul 2021

feedPlanet Openmoko

Harald "LaF0rge" Welte: Notfallwarnung im Mobilfunknetz + Cell Broadcast

[excuse this German-language post, this is targeted at the current German public discourse]

In mehrerern Gegenden Deutschlands gab es verheerende Hochwasser, und die Öffentlichkeit diskutiert deshalb mal wieder die gute alte Frage nach dem adäquaten Mittel der Alarmierung der Bevölkerung.

Es ist einfach nur ein gigantisches Trauerspiel, wie sehr die Deutsche Politik und Verwaltung in diesem Punkt inzwischen seit Jahrzehnten sämtliche relevanten Standards verpennt, und dann immer wieder öffentlich durch fachlich falsche und völlig uninformierte Aussagen auffällt.

Das Thema wurde vor dem aktuellen Hochwasser bereits letztes Jahr im Rahmen des sog. WarnTag öffentlich diskutiert. Auch hier von Seiten der öffentlichen Hand ausschliesslich mit falschen Aussagen, wie z.B. dass es bei Cell Broadcast Datenschutzprobleme gibt. Dabei ist Cell Broadcast die einzige Technologie, wo keine Rückmeldung des einzelnen Netzteilnehmers erfolgt, und das Netz nichtmal weiss, wer die Nachricht empfangen hat, und wo dieser Empfang stattgefunden hat. Ganz wie beim UKW-Radio.

Fakt ist, dass alle digitalen Mobilfunkstandards seit GSM/2G, d.h. seit 1991 die Möglichkeit mitbringen, effizient, schnell und datensparsam alle Nutzer (einer bestimmten geographischen Region) mit sogenannten broadcast Nachrichten zu informieren. Diese Technik, in GSM/2G genannt Cell Broacast (oder auch _SMSCB_), unterscheidet sich Grundlegend von allen anderen Kommunikationsformen im Mobilfunknetz, wie Anrufe und herkömmliche SMS (offiziell SMS-PP). Anrufe, SMS und auch mobile Paketdaten (Internet) werden immer für jeden Teilnehmer individuell auf ihm zugewiesenen Funkressourcen übermittelt. Diese Ressourcen sind beschränkt. Es können in keinem Mobilfunknetz der Welt alle Teilnehmer gleichzeitig telefonieren, oder gleichzeitig SMS empfangen.

Stattdessen benutzt Cell Broadcast - wie der Name bereits unmissverständlich klar macht - Einen broadcast, d.h. Rundsendemechanismus. Eine Nachricht wird einmal gesendet, benötigt also nur eine geteilte Ressource auf der Luftschnittstelle, und wird dann von allen Geräten im Empfangsbereich zeitgleich empfangen und dekodiert. Das ist wie UKW-Radio oder klassisches terrestrisches Fernsehen.

Cell Broadcast wurde bereits in den 1990er Jahren von Deutschen Netzbetreibern benutzt. Und zwar nicht für etwas lebensnotwendiges wie die Notfallsignalisierung, sondern für so banale Dinge wie die Liste jener Vorwahlen, zu denen gerade ein vergünstigter "wandernder Ortstarif" Besteht. Ja, sowas gab es mal bei Vodafone. Oder bei O2 wurden über lange Zeit (aus unbekannten Gründen) die GPS-Koordinaten der jeweiligen Basisstation als Cell Broadcast versendet.

In der folgenden (nun fast abgeschalteten) Mobilfunkgeneration 3G wurde Cell Broadcast leicht umbenannt als Service Area Broadcast beibehalten. Schliesslich gibt es ja Länder mit - anders als in Deutschland - funktionierender und kompetenter Regulierung des Telekommunikationsmarktes, und die langjährig bestehenden gesetzlichen Anforderungen solcher Länder zwingen die Netzbetreiber und auch die Ausrüster der Neztbetreiber, neue Mobilfunkstandards so zu entwickeln, dass die gesetzlichen Vorgaben bzgl. der Alarmierung der Bevölkerung im Notfall funktioniert.

Im Rahmen dieser Standardisierung haben eine Reihe von Ländern innerhalb der 3GPP-Standardisierung (zuständig für 2G, 3G, 4G, 5G) sogenannte Public Warning Systems (PWS) standardisiert. Zu diesen gehören z.B. das Japanische ETWAS (Earthquake and Tsunami Warning System), das Koreanische KPAS (Korean Public Alerting System), das US-Amerikanische WEA (Wireless Emergency Alerts, früher bekannt als CMAS) und auch das EU-ALERT mit den nationalen Implementationen NL-ALERT (Niederlande) und UK-ALERT (Großbritannien) sowie RO-ALERT (Rumänien).

Die zahlreichen Studien und Untersuchungen, die zur Gestaltung obiger Systeme und der internationalen Standards im Mobilfunk geführt haben, weisen auch nochmal nach, was sowieso vorher jedem Techniker offensichtlich erscheint: Eine schelle Alarmierung aller Teilnehmer (einer Region) kann nur über einen Broadcast-Mechanismus erfolgen. In Japan war die Zielvorgabe, die Alarmierung in Erdbebenfällen innerhalb von weniger als 4 Sekunden an die gesamte betroffene Bevölkerung zu übertragen. Und das ist mit PWS möglich!

Die relevanten PWS-Standards in 2G/3G/4G/5G bieten jede Menge nützliche Funktionen:

  • Benachrichtigung in bestimmten geographischen Regionen

  • Interoperable Schnittstellen, so dass Netzwerkelemente unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren

  • Konfigurierbare Benachrichtigungstexte, nicht nur in der primären Landessprache, sondern auch in mehreren anderen Sprachen, die dann automatisch je nach Spracheinstellung des Telefons wiedergegeben werden

  • Unterschiedliche Schweregrade von Alarmierungen

  • Übermittlung nicht nur im Broadcast, sondern auch im Unicast an jeden Teilnehmer, der gerade in einem Telefongespräch ist, und dessen Telefon gerade währenddessen aus technischen Gründen den Broadcast nicht empfangen würde

  • Unterschied zwischen Wiederholung einer Übertragung ohne Änderung des Inhalts und einer übertragung mit geändertem Inhalt

Es gibt also seit vielen Jahren internationale Standards, wie sämtliche heute eingesetzten Mobilfunktechniken zur schnellen, effizienten und datensparsamen Alarmierung der Bevölkerung eingesetzt werden können.

Es gibt zahlreiche Länder, die diese Systeme seit langem einsetzen. Das US-Amerikanische WEA wurde nach eigenen Angaben seit 2012 bereits mehr als 61.000 Mal benutzt, um Menschen vor Unwetter oder anderen Katastrophen zu warnen.

Sogar innerhalb der EU hat man das EU-ALERT System spezifiziert, welches weitgehend mit dem amerikanischen WEA identisch ist, und auf die gleichen Techniken aufbaut.

Und dann gibt es Länder wie Deutschland, die es seit genauso vielen Jahren vermissen lassen, durch Gesetze oder Vorschriften

  1. die Netzbetreiber zum Betrieb dieser Broadcast-Technologien in ihrem Netz verpflichtet

  2. die Netzbetreiber zur Bereitstellung von standardisierten Schnittstellen gegenüber den Behörden wie Zivilschutz / Katastrophenschutz zu verpflichten, so das diese selbständig über alle Netzbetreiber Warnungen versenden können

  3. die Gerätehersteller z.B. über Vorschriften des FTEG (Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen) zu Verpflichten, die PWS-Nachrichten anzuzeigen

In den USA, dem vermeintlich viel mehr dem Freien Markt und dem Kapitalismus anhängenden System ist all dies der Regulierungsbehörde FCC möglich. In Deutschland mit seiner sozialen Marktwirtschaft ist es anscheinend unmöglich, den Markt entsprechend zu regulieren. Eine solche Regulierung schafft man in Deutschland nur für wirklich wichtige Themen wie zur Durchsetzung der Bereitstellung von Schnittstellen für die Telekommunikationsüberwachung. Bei so irrelevanten Themen wie dem Katastrophenschutz und der Alarmierung der Bevölkerung braucht man den Markt nicht zu regulieren. Wenn die Netzbetreiber kein PWS anbieten wollen, dann ist das einfach so Gottgegeben, und man kann da ja nichts machen.

Falls jemand sich SMSCB und PWS technisch näher ansehen will: In 2019 haben wir im Osmocom-Projekt eine Open Source Implementation des kompletten Systems von BTS über BSC bis zum CBC, sowie der dazwischen befindlichen Protokolle wie CBSP vorgenommen. Dies wurde freundlicherweise durch den Prototype Fund mit EUR 35k finanziert. Ja, so günstig kann man die nötige Technik zumindest für eine einzelne Mobilfunkgeneration entwickeln...

Man kann also in einem selbst betriebenen Labor-Mobilfunknetz, welches auf Open Source Software basiert mehr in Punkt standardkonformer Notfallalarmierung, als die Deutsche Politik, Verwaltung und Netzbetreiber zusammen hinbekommen.

Wir haben in Deutschland Leute, die diese Standards in und auswendig kennen, sogar daran mitgearbeitet haben. Wir haben Entwickler, die diese Standards implementiert haben. Aber wir schaffen es nicht, das auch mal selbst praktisch zu benutzen - das überlassen wir lieber den anderen Ländern. Wir lassen lieber zuerst die ganze Katastrophenalarmierung mittels Sirenen vergammeln, machen den Netzbetreibern keine Vorgaben, entwicklen komische Apps, die Anwender extra installieren müssen, die prinzipbedingt nicht skalieren und beim Test (WarnTag) nicht funktionieren.

Was für eine Glanzleistung für den hochentwickelten Techhologie-Standort Deutschland.

18 Jul 2021 10:00pm GMT